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2014-02-12

Der Besuch im Gedicht-A.W.Schlegel (3)

August Wilhelm von Schlegel




August Wilhelm von Schlegel

Der Besuch und Abschied des Wanderers

Wie so gern in deinen Hallen
Ruh' ich aus von fernem Wallen,
Altes, ritterliches Bern!
Werth, den Namen wohl zu tragen
Jener Burg, wo nach den Sagen
Einst gewohnt der Helden Kern.

Aber ach! was muß begegnen?
Dreifach werd' ich nun dich segnen,
Denn ich fand ein Kleinod hier.
Du umgiebst viel schöne Frauen,
Bilder, herrlich anzuschauen:
Eine wohnt im Herzen mir.

Sie vernimmt den Dichter sinnig,
Sie empfindet zart und innig,
Was die hohe Kunst erschuf.
Sie erweckt mir neue Lieder,
Und des Genius Gefieder
Regt sich ihrem sanften Ruf.

Was die Vorzeit stark gesungen,
Seit Jahrhunderten verklungen,
Las ich ihr, die Wundermär:
Wie die nordische Brunhilde,
Kämpfend unter Speer und Schilde,
Bot der Minne Gegenwehr.

Sie indessen, statt der Lanze,
Führt die Nadel, stickt zum Kranze
Blumen in ein leicht Gewand.
Nicht umpanzert trägt die Holde
Ihren Busen, nur mit Golde
Einen Finger ihrer Hand.

Dennoch weiß sie zu verwunden,
Und ich muß an mir erkunden
Jenes Liedes Leid und Lust.
Was die kühnsten Helden stritten,
Was sie freute, was sie litten,
Kam aus edler Frauen Brust.

Ob auch Kampf die Dichter sangen,
Ob die Lieder krieg'risch klangen
Wie Trompet' und Hörnerton:
Doch ein Lächeln blüh'nder Wangen,
Frischer Lippen Gruß empfangen
Wollten sie zum schönsten Lohn.

Ihrer Augen blaues Leuchten
Sah ich oft mit Wehmuth feuchten
Chriemhilds Trauer, Sifrids Tod.
Ach! so kann sie Mitleid hegen
Mit des Herzens bangen Schlägen,
Seiner hoffnungslosen Noth.

Zwar verstummt die kühne Bitte
Vor der zarten stolzen Sitte,
Die kaum Huldigung erlaubt:
Möchte, wenn die Wünsche schweigen,
Sich nur linde zu mir neigen
Dieses reich umlockte Haupt!

Dürft' ich dieser Blume warten,
Die so einsam steht im Garten,
Schirmen sie vor rauhem Nord,
Sie bethau'n mit meinen Thränen,
Sie umweh'n mit leisem Sehnen!
Doch mein Schicksal reißt mich fort.

Goldne Träume meiner Jugend,
Welches Reizes Zaubertugend
Rief euch süß und schmerzlich auf?
Lebet wohl! Ich muß nun scheiden,
Muß mich in Entsagung kleiden
Zu des Lebens strengerm Lauf.
August Wilhelm von Schlegel

Der erste Besuch am Grabe

Schon Wochen sind es, seit sie hier versenket
Den süßen Leib, von aller Huld umfloßen,
Der das geliebte Wesen eingeschloßen,
Zu dem umsonst mein Sehnen nun sich lenket.

Welk ist der Kranz, dem Grabe frisch geschenket,
Und nicht ein Halm dem Hügel noch entsproßen;
Die Sonne zielt mit glühenden Geschoßen,
Noch Thau noch Regen hat den Staub getränket.

Auch werd' ich dazu nicht des Himmels brauchen.
Kehr' dich nur weg, fühlloses Weltenauge!
Ihr Wolken mögt euch anderswo ergießen.

Nur meine Thränen, heil'ger Boden, sauge!
Bei warmem Liebesblick und kühlem Hauchen

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