> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von K.Tucholsky: Der Mann seiner Zeit (22)

2014-02-14

Gedichte von K.Tucholsky: Der Mann seiner Zeit (22)




Der Mann seiner Zeit

Es geht Europa gar nicht gut,
die dicke Luft ist schwüle;
doch einen gibt’s, dem ist das Blut
nur Wasser auf die Mühle.
Die Welt steht Kopf, das Festland wankt,
sogar der Zar hat abgedankt:
drauf wartet wie im Fieber
der Schieber, Schieber, Schieber,
der Schieber.

Hie r ist er recht im Element,
wenn alle Winde blasen,
wenn lichterloh der Erdball brennt,
wenn die Granaten rasen.
Die Welt sieht ängstlich auf Berlin,
drum achtet keiner mehr auf ihn,
und nichts ist ihm auch lieber
dem Schieber, Schieber, Schieber,
dem Schieber.

Es blüht sein Feld. Sein Kohl wird fett;
die Gänse, Schweine, Enten
verkauft er ruhig und honett
mit hohen Prozenten.
Es sitzt am Nordseebadestrand
mit einem Hühnereibrillant
die gnädige Frau in Biber
vom Schieber, Schieber, Schieber,
vom Schieber.

Es gibt in diesem großen Krieg
noch viele solche Helden.
Auch von der hohen Politik
läßt sich dergleichen melden.
Schon tun dem guten Poängkareh
vom vielen Stehn die Beine weh -
Vom Hudson bis zum Tiber
’s sind Schieber, Schieber, Schieber,
holdrioh!
nur Schieber!


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