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2014-02-14

Gedichte von K.Tucholsky: Deutscher Abend (27)




Deutscher Abend

Nun gönnt die Firma stillen Abendfrieden
dem Arbeitsmann, den Mädels, dem Kommis -
nun sitzt ganz Deutschland um den runden, lieben
gedeckten Tisch und sieht aufs Visavis.

Da liegt das Land: ganz schwarz und blau und dunkel.
Es klirrt der Wind im Telegrafendraht.
Ein gelbes Fenster grüßt dich mit Gefunkel:
hier spielt der Förster seinen Dauerskat.

Man hebt die Zeitung, lässt sie wieder sinken,
die Welt, ihr Lieben, geht den alten Lauf
hieraufbezüglich kann man einen trinken,
die Pfeife qualmt, nun steigt der Mond herauf.

Und hundert Mimen spreizen ihre Glieder,
und hundert Bürger füllen sich mit Bier . . .
Und hundert Mädchen summen kleine Lieder,
denn morgen, morgen muss er fort von hier.

O Herr, so wie wir hienieden krauchen,
so segne Land und Leute und Kompott.
Verlass dich drauf: wir können’s brauchen,
wir können’s brauchen, lieber Gott!


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