> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von K.Tucholsky- An eine Marie vom Lande (7)

2014-02-13

Gedichte von K.Tucholsky- An eine Marie vom Lande (7)




An eine Marie vom Lande

Marie - Du ringst die derben Hände:
»Du Sündenbabel! Pfui Berlin!«
So streust Du über das Gelände
den Dung und die Entrüstung hin.

So geußest Du ob dem gewellten
Asphaltreich den Kritikbericht. . .
Marie - es dürfen viele schelten!
Du nicht!

Bedenk, wir könnten Dir erschließen,
wie bei Dir draußen auf dem Land
- dem rechts der Elbe - Preise sprießen,
die vormals dort kein Mensch gekannt.
Wir könnten Dir so manches zeigen
von Polenarbeit, Menschenpflicht. . .
Es ist jetzt Krieg - und wir, wir schweigen.
Du nicht.

Wir sind durchaus nicht so begeistert,
von allem, was die Panke beut:
der Schieber, der die Wechsel meistert,
die Dame, die den Schieber freut;
das Kino-Cafe gegenüber,
der Händler, den der Hafer sticht. . .
Es gibt ja manche, die stehn drüber.
Du nicht.

Hör auf, uns sauer anzumucken -
bei uns hast Du damit kein Glück.
Man kann zwar leicht nach unten spucken,
nach oben nicht - das fällt zurück.
Hier zieht’s! Du kannst Dich leicht erkälten —
und Du stehst selber vor Gericht.
Marie - es dürfen viele schelten!
Du nicht!


alle Gedichte von Tucholsky                                                                                     weiter



alle Gedichte und Dichter

Keine Kommentare: