> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von K.Tucholsky: Malwine (53)

2014-02-16

Gedichte von K.Tucholsky: Malwine (53)



Malwine

Ich habe mich deinetwegen
gewaschen und rasiert.
Ich wollte mich zu dir legen
mit einem Viertelchen,
mit einem Achtelchen —
Malwine!
Doch du hast dich geziert.

Der Kuckuck hat geschrien
auf deiner Schwarzwalduhr.
Ich lag vor deinen Knien:
»Gib mir ein Viertelchen!
Gib mir ein Achtelchen!
Malwine!
Ein kleines Stückchen nur!«

Dein Bräutigam war prosaisch.
Demselben hat gefehlt,
dieweilen er mosaisch,
ein kleines Viertelchen,
ein kleines Achtelchen. . .
das hätt dich sehr gequält!

Du hast mir nichts gegeben
und sahst mich prüfend an.
Das, was du brauchst im Leben,
sei nicht ein Viertelchen,
und nicht ein Achtelchen. . .
das sei ein ganzer Mann —!

Mich hat das tief betroffen.
Dein Blick hat mich gefragt. . .
Ich ließ die Frage offen
und habe nichts gesagt.

Daß wir uns nicht besaßen!
So aalglatt war mein Kinn.
Nun irr ich durch die Straßen. . .
Malwine —!
und weine vor mich hin.


alle Gedichte von Tucholsky                                                                                     weiter



alle Gedichte und Dichter

Keine Kommentare: