> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von K.Tucholsky: Schwere Zeit (57)

2014-02-16

Gedichte von K.Tucholsky: Schwere Zeit (57)



Schwere Zeit

Die Jungfrau in der Nebenstuben —
ich frage mich, was tut sie nur?
Ich hör die Stimme eines Buben —
so spät am Abend? Um elf Uhr?

Wie er mutiert! Und ihre Stimmen
verklingen sacht — sie murmeln leis.
Bin ich der Zeuge einer schlimmen
Verbrechertat? Wer weiß! wer weiß!

Sie spricht ihm gütig zu. Belehrend
ertönt ihr lieblicher Sopran.
Er lacht: »Jawohl!« Dies ist erschwerend!
Was wird dem Knaben nur getan?

Sind das nicht halberstickte Küsse?

Ich frag sie später, was sie treibt. . .
Sie sagt: »Die geistigen Genüsse,
sie bringen nichts als Kümmernisse.
Es ist das einzige, was mir bleibt!«


alle Gedichte von Tucholsky                                                                                     weiter



alle Gedichte und Dichter

Keine Kommentare: