> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von K.Tucholsky: Silvester (63)

2014-02-17

Gedichte von K.Tucholsky: Silvester (63)




Silvester

So viel Tage zerronnen,
so viel Monate fliehn;
stets etwas Neues begonnen,
dorrt es unter der Sonnen . . .
Hexenkessel Berlin!

Ich, der Kalendermacher,
blick nachdenklich zurück.
Mal ein Hieb auf den Schacher,
mal auf den Richter ein Lacher -
Aber wo blieb das Glück?

Schau, sie sind kaum zu belehren.
Denken nur merkantil.
Halten den Dollar in Ehren,
können ihn nicht entbehren —:
Liebliches Börsenspiel.

Mädchen - euch halten die Schieber!
Denn sie sind obenauf.
Geist - ? Es ist euch viel lieber
Lack und Erfolg und Biber -
Das ist der Welten Lauf.

Nur mit dem Armband bekleidet
wandelt Melpomene.
Börsenfaun, er entscheidet,
woran die Loge sich weidet
kugeliges Dekollete.

Wie verbring ich Silvester?
Gib mir dein blondes Haar.
Fasse die Arme mir fester,
gib dich, du liebliche Schwester —
woll aus deinen Händen
Nacht und Entzücken mir spenden
und ein besseres, anderes Jahr!



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