> Gedichte und Zitate für alle: H.H.v.Fallersleben-Unpolitsche Lieder: Der Korporalstock (30)

2014-02-24

H.H.v.Fallersleben-Unpolitsche Lieder: Der Korporalstock (30)




Der Korporalstock

Von einem Helden will ich singen
Der einst die ganze Welt bezwang:
So konnte es keinem noch gelingen,
So glorreich wie es ihm gelang.

Obschon im Waldesgrün geboren
Bei Amselschlag und Frühlingswehen,
So war er doch dazu erkoren,
Mit Herren Hand in Hand zu gehen.

Er wurde gewiegt von Fürstenhänden,
Zopf und Gamasche pflegten sein;
Sie mussten viele Zeit verwenden
Zu seinem Wachstum und Gedeihen.

Dann gab man ihn noch in die Lehre
Zu einem braven Korporal,
Da wurde er voller Zucht und Ehre,
Wie Leder zäh, und hart wie Stahl.

Er brachte es nun in wenig Tagen
Zu solcher hohen Trefflichkeit,
Daß Staunen, Schrecken, Angst und Zagen
Ergriff die ganze Christenheit.

Er wurde bekannt in allen Landen
Wo nur was Großes je geschah,
Und ganze Regimenter standen
Vor ihm wie Leichen lautlos da.

O weh, er ist nun Staub und Asche,
O weh, o weh, er ist nicht mehr!
Dahin ist Zopf, dahin Gamasche!
Dahin sein ganzes großes Heer!

Kein Denkmal ist von ihm geblieben,
Doch war in jener guten Zeit
Auf jedem Rücken eingeschrieben
Sein Ruhm und seine Tapferkeit.

Uns aber ließ er zum Vermächtnis
Den alten Korporal zurück,
Der ruft uns allen ins Gedächtnis
Mitunter noch das alte Glück.

Wir aber sind zu dumm geworden
Für jene alte gute Zeit;
Sie sei im Süden, sei im Norden,
Nur bleibe sie von uns recht weit!

Auch Millionen werden flehen,
Wenn Gott der Herr sitzt zu Gericht:
Laß alle Helden auferstehen,
Nur diesen, diesen einen nicht --


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