> Gedichte und Zitate für alle: H.H.v.Fallersleben-Unpolitsche Lieder: Die beiden Strauße (59)

2014-02-25

H.H.v.Fallersleben-Unpolitsche Lieder: Die beiden Strauße (59)




Die beiden Strauße

Zwei Strauße sind anjetzt vorhanden,
Zwei Strauße von verschiedener Art;
Ein Paar wie siches in allen Landen
Noch niemals hat offenbart.

Man muss sie hören, muss sie lesen,
Und mancher wird davon entzückt,
Und mancher kann nicht mehr genesen,
Er wird halb närrisch und verrückt.

Und wenn der eine musizieret,
Spazieren wir ins Himmelshaus,
Und wenn der andere disputieret,
Jagt er Gott Vater selbst hinaus.

Könnte ich ein kleines Fürstlein werden
Von Gottes Gnade und Volkes Gold,
So nähme' ich für die Volksbeschwerden
Die beiden Strauß' in meinen Sold.

Der eine wäre mein Minister
Für's Budjet und die Kabbala,
Er lehrte dann die Herrn Philister,
Wie sie einstimmig sprächen: Ja.

Er sollte dartun in Sermonen
Begreiflich für ein jedes Kind,
Daß Volk und Konstitutionen
Nicht viel, gar nichts, nur Mythen sind.

Den anderen würde ich nur verwenden,
Wennes Aufruhr gäbe und Mord und Brand,
Er würde mit der Geig in Händen
Gleich bändigen das ganze Land.

Trotzdem habe ich in unseren Tagen
Vor keinem Strauße Furcht und Graun:
Die Zeit hat einen Straußenmagen,
Wird auch den Doktor Strauß taun.



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