> Gedichte und Zitate für alle: Inhalt und Einführung in die "Sonette an Orpheus" von Rainer Maria Rilke

2014-02-03

Inhalt und Einführung in die "Sonette an Orpheus" von Rainer Maria Rilke

Rainer Maria Rilke

Das zweiteilige Werk entstand im Februar 1922 im Chateau de Muzot und Rilke sieht die "Sonette an an Orpheus" als eine kleine Nebenarbeit an, das zeitgleich mit den letzten 10 Duineser Elegien entstand. Das Werk erinnert an die 2 Jahre zuvor verstorbene Wera Ouckama Knoop und wird vom Autor im Untertitel als ein Grabmal für die nur 19 Jahre alt gewordene junge Frau bezeichnet. Sie war die Tochter einer mit Rilke befreundeten Familie und war dem Dichter einige male begegnet. In einem Brief betont Rilke, das die Sonette und die Duineser Elegien sich in der Thematik und vom Anliegen her vermischen, so das die fast gleiche Entstehungszeit beider Werke verständlich wird. Ähnlich wie in Duineser Elegien beschäftigt dem Dichter, mythisch, das Leben über den Tod hinaus. 
Die 55 Sonette beziehen sich als Leitmotiv auf den Orpheus-Mythos. Orpheus, in der griechischen Mythologie ein Dichter und Sänger folgen nicht nur Tiere wegen seines Gesanges sondern auch Bäume. Rilkes Orpheus ist jedoch mit der mythologischen Figur nicht identisch und der Dichter gibt seinem Orpheus den Charakter einer Figur, die auf alle persönliche Wünsche verzichtet und sein Handeln auf das bloße Dasein ausrichtet.


Ein Gott vermags. Wie aber, sag mir, soll

ein Mann ihm folgen durch die schmale Leier?
Sein Sinn ist Zwiespalt. An der Kreuzung zweier
Herzwege steht kein Tempel für Apoll.
Gesang, wie du ihn lehrst, ist nicht Begehr,
nicht Werbung um ein endlich noch Erreichtes;
Gesang ist Dasein. Für den Gott ein Leichtes.
Wann aber sind wir? Und wann wendet er
an unser Sein die Erde und die Sterne?
Dies ists nicht, Jüngling, daß du liebst, wenn auch
die Stimme dann den Mund dir aufstößt, – lerne
vergessen, daß du aufsangst. Das verrinnt.
In Wahrheit singen, ist ein andrer Hauch.
Ein Hauch um nichts. Ein Wehn im Gott. Ein Wind.

Das Werk ist ein Gesang auf eine Welt  die von allen Gegensätzen befreit zu sein scheint, eine heilige Welt, mit dem Universum vereinigt. Eine Gefahr für diese Welt sieht Rilke in den modernen Errungenschaften wie Maschinen, allgemein technische Erfindungen, die die Natur bedrohen und nach den Befürchtungen Rilkes,  Herrschaft über sie erlangen könnten. Im 2.Teil der Sonette wird fast schon in einem beschwörenden Ton gegen diese Gefahr einer "Maschinenwelt" Stellung bezogen und das Reich des rilkischen Orpheus um so mehr erhöht.

Inhalt

Erster Teil

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