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2014-02-12

Schlimmer Besuch-Gedichte zum Thema Besuch von Geibel u. A.Grün (5)




Emanuel Geibel

Schlimmer Besuch

 Die Grillen

Siehst du das Wölkchen
Fließen im stillen?
Wir sind das Völkchen
Närrischer Grillen.
Des Bauern Kammer
Gab keinen Schmaus,
Des Handwerks Hammer
Trieb uns hinaus;
Doch ungebeten
Wollen wir rasten
Bei dem Poeten,
Bei dem Phantasten.
In die Gedanken
Beim Lampenschein
Schwirren und schwanken
Wir ihm hinein.

Der Poet

Wie lastend drückt des Zimmers Decke
Hernieder, zum Ersticken schier!
Der Bücherstaub, in dem ich stecke,
Schafft ein unsäglich Unbehagen mir.
Ich bin nicht krank, und doch versaget
Mir jedes geistgeborne Wort –
Doch sei's versucht – Auf! Unverzaget!
Und wirf die trüben Schleier fort!

Die Grillen

Tu nicht so groß,
Als wärest du Meister:
Die kleinen Geister
Wirst du nicht los.
Hier, mein Geselle,
Sind wir zur Stelle,
Wo wir gedeihn;
Wir mischen dir leise
Mit Wermut die Speise,
Mit Mißmut den Wein;
Wir wandeln im Scherze
Die Hoffnung zum Schmerze,
Die Liebe zur Pein;
Hier helfen nicht Sprüche noch Kreuze noch Schwüre,
Und würfest du glücklich hinaus uns zur Türe,
Wir schlüpfen durchs Schlüsselloch wieder herein.
Anastasius Grün

Der Besuch

Oft des Tags und oft des Abends
Wall' ich an das Ziel der Sehnsucht,
Aus der Stadt durchtobten Straßen
In der Vorstadt still're Welt.

Ueber unsres Stromes Brücke
Zieh' ich hin mit raschem Schritte,
Wie ein Geist so still und schweigsam
Durch den lärmend lauten Schwarm.

Und dann rechts? – ach nein, zur Linken!
Seht, kaum weiß ich mehr es selber;
Dann grad fort? – ach nein, zur Rechten,
Um die Ecke rasch gewandt!

Seltsam! – ging ich nie doch irre
Auf der schönen heil'gen Wallfahrt;
Dennoch, Freunde, kann ich nimmer
Künden euch den Weg dahin.

Kann kein Häuschen an der Straße
Zeichnen euch mit sichern Händen.
Also kennt man wohl die Sterne,
Aber nicht den Weg dahin!

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