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2014-02-12

Vergeblicher Besuch-Besuchsgedichte (12)



Anton Wildgans

Vergeblicher Besuch

Standst du noch nie vor eines Freundes Tür
Und hattest angeklopft und horchtest bang:
Wird er daheim auch sein? - Und endlich kam
Ein fremdes Antlitz und beschied dich kurz:
Niemand zu Haus! - Da war's wie Bettlerscham,
Was dich verwirrte und wie jäher Sturz
Aus Hoffnungen in hoffnungslosen Gram.

Und wieder auf der Straße: - Alles grau!
Es sieht an dir vorüber feindlich-leer.
Niemand begegnet dir und grüßt dich mehr.
Die dort im Wagen fährt, war jene Frau
Dir nicht Geliebte einst? - Und jener im Gewühl,
Dessen Genick und Rücken du zu kennen meinst,
Ging er mit dir zur Schule nicht manch Jahr? -
Du holst ihn ein - und weißt es nicht genau.
Und gehst und gehst und bist mit einemmal,
Wohin du nicht gewollt, in einer Bar,
In einer schalen Posse oder gar

Bei irgendeinem Weib -
Und starrst entsetzt auf diesen fremden Leib,
Und rufst dich, wie in Traumes Angst und Pein,
Dich selbst wie einen fremden Schläfer an!
Und kommst zu dir und - hast noch nichts getan,
Und rettest in die Nacht dein Einsamsein!...
Niemand zu Haus! - Dies Wort war schuld daran.
Stefan George

Besuch

sanftere sonne fällt schräg
Durch deiner mauer scharten
In deinen kleinen garten
Und dein haus am gehäg.

Schwirren die vögel im plan ·
Regen sträuche die ruten:
Ziehen nach tagesgluten
Erste wandrer die bahn.

Fülle die eimer nun strack!
Netze im pfade die kiese
Büsche und beete der wiese
Häng-ros und güldenlack!

Und bei der wand am gestühl
Brich den zu wirren eppich!
Streue blumen zum teppich!
Duftend sei es und kühl

Wenn ER als pilgersmann
In solchen dämmerungen
Nochmals vielleicht durchdrungen
Unsere erde und dann

Überm weg das geäst
Teilt mit dem heiligen oden -
Er eine weil deinen boden

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