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2014-03-07

Gedichte von Friedrich Hölderlin: Die Schlacht (45)





Die Schlacht

O Morgenrot der Deutschen, o Schlacht ! Du kömmst,
Flammst heute blutend über den Völkern auf,
Denn länger dulden sie nicht mehr, sind
Länger die Kinder nicht mehr, die Deutschen.

Du kömmst, o Schlacht! schon wogen die Jünglinge
Hinab von ihren Hügeln, hinab ins Tal,
Wo keck herauf die Knechte dringen,
Sicher der Kunst und des Arms! doch sicherer

Kömmt über sie die Seele der Jünglinge,
Denn ha! die Knaben schlagen wie Zauberer,
Und ihre Vaterlandsgesänge
Lähmen die Kniee dem Unterdrücker.

O nimmt mich, nimmt mich mit in die Reihen auf,
Damit ich einst nicht sterbe gemeinen Tods!
Umsonst zu sterben, lieb ich nicht, doch
Lieb ich zu fallen am Opferhügel,

Fürs Vaterland! zu bluten des Herzens Blut
Fürs Vaterland, und schon ist’s geschehn! Das war’s,
Was ich zuvor gefühlt, als Knabe,
Da ich zuerst vom Heroentode

Mit wollustvollen Schauern das Wort vernahm,
Nun aber geh ich nieder ins Schattenreich,
Hinunter zu den Göttermenschen,
Die mich zu sterben gelehrt, hinunter.

Ach! oft im Leben dürstet ich euch zu schaun,
Ihr Helden und Dichter aus alter Zeit!
Gastfreundlich grüßt ihr den geringen
Fremdling und brüderlich ist’s hier unten;

Und Siegesboten kommen herab; die Schlacht
Ist unser; und nun freue der Jugend dich,
Mein herrlich Vaterland, denn heute
Hubst du sie an, und sie wird einst reifen.


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