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2014-03-07

Gedichte von Friedrich Hölderlin: Die Nacht (43)





Die Nacht

Seyd gegrüßt,ihr zufluchtsvolle Schatten,
Ihr Fluren, die ihr einsam um mich ruht;
Du stiller Mond, du hörst, nicht wie Verläumder lauren,
Mein Herz,entzückt von deinem Perlenglanz.

 Aus der Welt, wo tolle Thoren spotten,
Um leere Schattenbilder sich bemühn,
Flieht der zu euch,der nicht das schimmernde Getümmel,
Der eitlen Welt, nein! nur die Tugend liebt.

Nur bei dir empfindt auch hier die Seele;
Wie göttlich sie dereinst wird seyn.
Die Freude, deren falschem Schein so viel Altäre
So viele Opfer hier gewiedmet sind.

Weit hinauf, weit über euch, ihr Sterne,
Geht sie entzückt mit heiigem Seraphsflug;
Sieht über euch herab mit göttlich heiligem Blicke,
Auf ihre Erd, da wo sie schlummernd ruht. . . .

Goldner Schlaf, nur dessen Herz zufrieden
Wohlthätger Tugend wahre Freude kennt.
Nur der fühlt dich. —. Hier stellst du dürfftig schwache Arme
Die seine Hülfe suchen vor ihn hin.

Schnell fühlt er des armen Bruders Leiden;
Der arme weint, er weinet auch mit ihm;
Schon Trost genug! Doch spricht er, gab Gott seine Gaben
Nur mir? nein auch für andre lebe ich.—.

Nicht von Stolz,noch Eitelkeit getrieben,
Kleidt er den nakten dann, und sättigt den.
Dem blasse Hungersnoth sein schwach Gerippe zählet;
Und himmlisch wird sein fühlend Herz entzükt.

So ruht er, allein des Lasters Sklaven
Quält des Gewissens bange Donnerstimm, 
Und Todesangst wälzt sie auf ihren weichen Lagern
Wo Wollust selber sich die Ruthe hält.


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