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2014-03-08

Gedichte von Friedrich Hölderlin: Klagen (56)





Klagen

An Stella

Stella! ach! wir leiden viel! wann nur das Grab —
Komme! komme kühles Grab! nimm uns beide!
Siehe Stellas Tränen, komme
Kühles ruhiges Grab.

0 ihr Menschen  o so gerne wollt' ich euch 
Alle lieben, warm und treu! oh ihr Menschen
Sehet diese Stella haßt ihr!
Gott vergebe es euch !

Reißt sie nur hinweg von mir! Quäler! ihr!
Ich will schweigen — Gott — Gott wird reden 
Lebe wohl — ich sterbe bald — O
Stella! Stella vergiß mich.

Viele Wonnenaugenblicke gabst du mir —
Vater, Vater! bebt' ich oft auf zum Ewgen
Sieh' ich liebe sie so rein dein Auge 
Vater sieht ja mein Herz.

Stella! weinen werd' ich bis ans Grab um dich
Weinen, Stella, du um mich —weinen! aber
Am Gerichtstag will ichs sagen
Vorm versammelten Erdkreis: 

Diese sinds, die Stella quälten — aber nein!
Gott im Himmel! nein! vergieb diesen Quälern
Laß mich sterben — oder tragen
Diese Leiden — mein Gott.


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