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2014-03-12

Gedichte Weltspuk v.M.Dauthendey: Schloßherrin (77)




Schloßherrin

Die Maske der Sonne zog über durchlohte Ähren,
Wurde eine blutrote Nelke über dem Walde
Und flog entgegen ihrem abendlichen Tode.
Dämmerung riß den Tag ein über der Halde,
Nur der Mehlgeschmack künftiger Brote blieb
Und lag auf den Ähren, wo Mücke bei Mücke hintrieb.
In dem grauen Tal war das Korn gebreitet in lautlosen Meeren,
Deine bloßen Hände leuchteten neben den Kornspeeren,
Und deine Finger strichen über der Felder stroherne Wände,
Wie eine Blinde, die hinwandert am lichtlosen Gelände.
Als befühltest du Linnen und kühltest dich daran über deinem Spinde,
Ließest die Ähren wie Bachwasser durch die Finger rinnen,
Und hinter dir gingen die Sterne zu Hauf, wie dein Gesinde,
Hoben deine Gedanken auf und bauten eines Luftschlosses Zinnen,
Drinnen ich dich als Schloßherrin wiederfinde.

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