> Gedichte und Zitate für alle: H.H.v.Fallersleben-Unpolitsche Lieder: Kunstzopf (110)

2014-03-01

H.H.v.Fallersleben-Unpolitsche Lieder: Kunstzopf (110)




Kunstzopf

Aus deinem eigenen Haar gewunden
Wurde dir ein ungeheurer Zopf.
Schon hundert Jahre sind verschwunden,
Dir aber blieb der Zopf am Kopf.

Viel große Meister sahen ihn hangen,
Und jeder nahm dir ab ein Stück,
Sie alle sind dann heimgegangen,
Dir aber blieb der Zopf zurück.

Geheimnisvoll und zauberisch schwebet
Der Zopf ob allen Staffeleien,
Und keiner der da lebt und webet
Will dich, o freie Kunst, befreien.

Was dir noch blieb, wird wertgehalten
In allen Kunstakademien;
Die Alten bleiben gern beim Alten,
Und keiner darf ein Haar draus ziehen.

Darum mages dich auch nicht weiter quälen,
Wir alle tragen unser Leid;
An Zöpfen wird es der Welt nicht fehlen
Von nun an bis in Ewigkeit.

Und wird dein alter Kopfschmuck schwinden,
Dann sind die Meister gleich bereit,
Dir einen neuen Zopf zu winden,
Wie er sich passt für unsere Zeit.



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