> Gedichte und Zitate für alle: H.H.v.Fallersleben-Unpolitische Lieder: Breslauer Schillerfest 10.Nov.1838 (152)

2014-03-04

H.H.v.Fallersleben-Unpolitische Lieder: Breslauer Schillerfest 10.Nov.1838 (152)





Breslauer Schillerfest 10. Nov. 1838

1.

Lasst die Philister immer Schrei'n:
Gar keine Zeit wird bald mehr sein!
Wenn wir nur soviel Zeit noch haben
In Jugendlust voll Fröhlichkeit
Uns zu erfreuen an Gottes Gaben,
Was kümmert uns dann noch die Zeit!
Ob leer ist oder voll die Tasche,
Ist nur immer voll die Flasche,
Und Herz, Geist und --
Der Magen gesund,
Dann kann man sich in unseren Tagen
Auch mit der papiernen Zeit vertragen;
Und wir lassen ein
Jeden Kassenschein,
Und mit Geduld ein
Jeden Staatsschuldschein,
Und ohne weitere Deliberation
Jede heitere Obligation,
Und wir halten nicht die Hand schief,
Wenn uns kommet ein Pfandbrief,
Und wünschen, daß immer heckten
In unseren Kisten und Kasten die Staatseffekten,
Und freuen uns über jedes Lumpenpapier,
Wovon man leben kann bei dem Humpen dahier.

2.

Und wäre er auch für euch nichts weiter als ein Ketzer,
So war er doch ein biederer edler deutscher Mann,
Den man im besten Weine wie im schlechtsten Krätzer
Genug nie loben noch auch je beschimpfen kann.
Und hätte er nur gesprochen das Eine Wort,
So müsst er leben unter uns hinfort:
"Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang,
Der bleibt ein Narr sein Lebelang!“
Hoch lebe du ehrlicher Dr. [la]Martine
sine fine!

3.

Hoch lebe Scharenhorst! Preußens Schutzpanier,
Und Ehre und Ruhm für Preußens Scharen!
Was er uns ist, das wissen wir,
Wenn wir bedenken was wir waren.

4.

(Der damalige Präsident des Festes, Prof. Schön, hatte kurz vorher einen
Trinkspruch auf die Frauen ausgebracht.)

Schön hört sich es an, wenn Schön beim Schillerfest
Die schönen Frauen leben lässt.
Schön ging mit schönen Frauen schon voran,
Schön folgt auf schöne Frauen der Mann,
Nicht weil er war der erst im Paradies,
Sondern weil er ist der erste ohnedies.
Ich meine unter Mann nicht allerlei Leute,
Die jeder Tag uns bringt, das Morgen und Heute.
Wer männlich strebt und wagt, steht und nicht fällt,
Und männlich lebt, unverzagt geht durch die Welt,
Und männlich sich müht für's Gute und Rechte,
Und männlich erglüht mit Mut wider das Schlechte,
Und männlich auf eigenen Beinen steht,
Und sich nicht nach jedem Wetter, Glauben und Meinen dreht,
Und männlich, mit Geduld, bieder erträgt,
Und männlich ohne Schuld nieder sich legt,
Und frei noch ist in Gefängnis,
Und froh noch ist in Bedrängnis,
Der weiß was er will, und will was er kann,
Ihr Männer, stoßet an!
Hoch lebe -- mit und ohne Frau -- der Mann!



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