> Gedichte und Zitate für alle: Kindergedichte: J.G.Jacobi: Wiegenlied für ein Mädchen (31)

2014-03-21

Kindergedichte: J.G.Jacobi: Wiegenlied für ein Mädchen (31)




Johann Georg Jacobi

Wiegenlied für ein Mädchen

Schlummre, Liebchen! bist noch klein,
Weißt vom schönen Sonnenschein,
Weißt vom Strahl des Mondenlichts
Und von Wald und Blumen nichts;
Liebchen, schlummre, werde groß?
Sollst es sehn auf meinem Schoß.

Sollst den Glanz des Himmels sehn,
Und aus ihm die Sonne gehn
Über Wiesen frisch und grün,
Wo die blauen Veilchen blühn.
Veilchen werden dann gepflückt,
Du ans Mutterherz gedrückt.

Mir am Herzen, liebes Kind,
Spielst du froh im Morgenwind.
Über dir ist Jubelklang,
Um dich her ist Lobgesang;
Leise rauschen Baum und Fluß,
Und du fühlst den Mutterkuß.

Liebchen, schlummre; wachs heran!
Siehst in meinen Armen dann
Auch der Abendsonne Glut;
Siehst, wenn Feld und Aue ruht,
Gold und Purpur überall
Beim Gesang der Nachtigall.

Unterm Nachtigallenlied
Kommt der helle Mond und sieht
Mild herab auf dich und mich,
Alle Blumen neigen sich,
Und die Händchen falt ich dir:
Kleiner Engel, Gott ist hier!

Gott ist hoch im Sternenglanz
Und im niedern Veilchenkranz,
Ist, wo jener Vogel schlägt
Und wo dieser Arm dich trägt.
Sag in jedem Winkel dir,
Liebes Mädchen: Gott ist hier!


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