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2014-03-12

Liebesgedichte Realismus- T.Fontane: Stille Liebe (1)





Theodor Fontane

Stille Liebe

Des Hügels Rücken war erklommen.
Vor unsren Augen lag das Tal,
Darinnen alle Wipfel glommen
Im letzten Abendsonnenstrahl.

„Mach auf, ich bin's!" so klang das Klopfen
Der Quelle an des Hügels Saum;
„Wie lieb ich dich!" so sprach der Hopfen,
Umklammernd fest den Erlenbaum.

Und ach, beim Anblick all des Glückes,
Das vor uns die Natur entspann.
Sahn unsre Seelen langen Blickes
Im Spiegel sich der Augen an.

Sie fragte mich: „Woher die Träne,
Oh, Freund, an deinem Augenlid?"
Ich fragte sie: „Woher die Röte,
Die über deine Wange zieht?"

Sie sprach: „Es nimmt's mit einer Rose
Das Abendrot nicht so genau!"
Ich aber sprach: „Der Wind, der lose.
Weht heute Nacht so scharf, so rauh!"




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