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2014-03-10

M. Dauthendey: Weltspuk: Dein wandernd Haus (8)




Dein wandernd Haus

Sieh hinaus, wohin wandert dein Haus?
An den Fenstern zieht der Wolken verflüchtend Gewimmel,
Als wandert dein Haus vorbei am beweglichen Himmel;
Als wandert dein Haus querfeldein in die gebräunten Ährenfelder,
Über die wallenden Linien der Flüsse, über die ungezähmten Wälder,
Und in dein wandernd Haus sieht der wandelnde Himmel herein.
Sagst, dein Haus sucht das Ende der Tage, sucht wolkenberändert
Nach dem Baum, an dem sich kein Blatt mehr verändert
Und denke dir aus, dein Haus bliebe stehen!
Die Tage würden nicht mehr, wie Goldschaum
Leicht sich ablösend, an seinen Wänden fortgehen;
Dein Haus bliebe, ohne zu Schallen, am Abgrund vom toten Raum;
Der Sommer ließe sich immer steifgrün durch die Fenster ansehen;
Kein Blatt würde fallen, kein kühn Ereignis geschehen,
Kein Hunger dich würgen, keine Träne dich anflehen; —
Glaub mir, du jagtest die Ruhe aus deinem Haus.
Du Sehntest dich nach dem Herbstgeraus,
Nach Schatten der Zeit, nach der Winterbitterkeit,
Nach dem rüttelnden Streit der Taten und vielem ändern.
Und von der schüttelnden Sehnsucht, die du verflucht,
Käme dein Haus von neuem ins Wandern.

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