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2014-03-11

M. Dauthendey: Weltspuk: Die Toten tranken die Welt mir leer (26)



Die Toten tranken die Welt mir leer

Es lag der Abendwind auf der Lauer,
Es stieg der Mond auf die Gartenmauer,
Nur ein paar Blätter im Baum waren wach,
Und die gespenstige Fahne hing schaukelnd am Dach.

Der Himmel war starr, ein Schild aus Eisen,
Daran die Sterne wie Nägel gleißen.
Unsichtbar hält einer den Mond am Schopf,
Wie einen blutleeren abgehau'nen Kopf.

Der Mondschein kam suchend zu ein paar Tischen,
Wollt' sich in ein paar Gedanken mischen,
Als ob er mit kahlen Augen mich maß,
Und er schaute mit mir in mein volles Glas.

Es haben mir tote Gedanken gewunken.
Ich sah in die Felder, hab' nicht mehr getrunken,
Und mein Kopf wurde wie ein Steinhaus schwer -
Die Toten tranken die Welt mir leer.


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