> Gedichte und Zitate für alle: Droste-Hülshoff-Gedichte: Die Unbesungenen (19)

2014-04-04

Droste-Hülshoff-Gedichte: Die Unbesungenen (19)





Die Unbesungenen

’s gibt Gräber, wo die Klage schweigt
Und nur das Herz von innen blutet,
Kein Tropfen in die Wimper steigt
Und doch die Lava drinnen flutet;
’s gibt Gräber, die wie Wetternacht
An unserm Horizonte stehn
Und alles Leben niederhalten,
Und doch, wenn Abendrot erwacht,
Mit ihren goldnen Flügeln wehn
Wie milde Seraphimgestalten.

Zu heilig sind sie für das Lied,
Und macht’ge Redner doch vor allen,
Sie nennen dir, was nimmer schied,
Was nie und nimmer kann zerfallen;
O, wenn dich Zweifel drückt herab,
Und möchtest atmen Ätherluft,
Und möchtest schauen Seraphsflügel,
Dann tritt an deines Vaters Grab!
Dann tritt an deines Bruders Gruft!
Dann tritt an deines Kindes Hügel!

alle Gedichte von Droste-Hülshoff                                    nächstes Gedicht Droste-Hülshoff


alle Gedichtsammlungen dieser Webseite

Keine Kommentare: