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2014-04-26

F.Wedekind-Gedichte: Froh macht dein Lächeln (37)




Froh macht dein Lächeln

Grad aus dem Wirtshaus komm ich heraus,
Straße, wie wunderlich siehst du mir aus!
Rechterhand, linkerhand, beides vertauscht,
Straße, ich merk es wohl, du bist berauscht.

Froh macht dein Lächeln,
Wenn du in kurzem Kleide
Auf schmalen Knöcheln
Dich hintenüber neigst -
Im Purpurscheine
Allen zu hellster Freude
Schimmernde Beine
Bis zu den Hüften zeigst.

Was für ein schief Gesicht, Mond, machst denn du?
Ein Auge hat er auf, eins hat er zu!
Du bist betrunken, das merk ich nun schon,
Schäme dich, schäme dich, alter Patron!

Wonniges Gruseln,
Wenn dunkle Augen sprühen,
Du dich beim Fusseln
Weich in den Hüften reckst -
Schelmisch zu plänkeln
Auf straffgespannten Knien,
Lieblichen Schenkeln,
Wohlig den Körper streckst!

Und die Laternen, was muß ich erst sehen,
Die können alle nicht aufrecht mehr stehen,
Wackeln und fackeln die Kreuz und die Quer,
Scheinen betrunken mir allesamt schwer.

Beben die Flanken,
Weil stramme Füßchen wippen,
Tief in Gedanken,
So tief, das glaubt man kaum -
Kindlich erschrocken
öffnen sich heiße Lippen,
Nachtschwarze Locken
Flattern im Purzelbaum.

Wag’ ich, der ich einzig noch nüchtern jetzt bin,
Mich in den Wirrwarr da draußen nun hin :’
Das scheint bedenklich mir, ein Wagestück!
Da kehr’ ich lieber ins Wirtshaus zurück.



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