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2014-05-12

F.Schiller- Lauragedichte: Melancholie an Laura (8)




Melancholie an Laura 

Laura – Sonnenaufgangsglut
Brennt in deinen goldnen Blicken,
In den Wangen springt purpurisch Blut,
Deiner Tränen Perlenflut
Nennt noch Mutter das Entzücken –
Wem der schöne Tropfen thaut,
Wer darin Vergöttrung schaut,
Ach dem Jüngling, der belohnet wimmert,
Sonnen sind ihm aufgedämmert!

Deine Seele, gleich der Spiegelwelle,
Silberklar und sonnenhelle,
Maiet noch den trüben Herbst um dich;
Wüsten, öd’ und schauerlich,
Lichten sich in deiner Strahlenquelle;
Düstrer Zukunft Nebelferne
Goldet sich in deinem Sterne;
Lächelst du der Reize Harmonie?
Und ich weine über sie. –

Untergrub denn nicht der Erde Veste
Lange schon das Reich der Nacht?
Unsre stolz auftürmenden Paläste,
Unsrer Städte majestät’sche Pracht
Ruhen all’ auf modernden Gebeinen;
Deine Nelken saugen süßen Duft
Aus Verwesung; deine Quellen weinen
Aus dem Becken einer – Menschengruft.

Blick’ empor – die schwimmenden Planeten,
Laß dir, Laura, seine Welten reden!
Unter ihrem Zirkel flohn
Tausend bunte Lenze schon,
Thürmten tausend Throne sich,
Heulten tausend Schlachten fürchterlich.
In den eisernen Fluren
Suche ihre Spuren!
Früher, später reif zum Grab,
Laufen, ach, die Räder ab
An Planetenuhren.

Blinze dreimal – und der Sonnen Pracht
Löscht im Meer der Totennacht!
Frage mich, von wannen deine Strahlen lodern!
Prahlst du mit des Auges Glut?
Mit der Wangen frischem Purpurblut,
Abgeborgt von mürben Modern?
Wuchernd fürs geliehne Roth,
Wuchernd, Mädchen, wird der Tod
Schwere Zinsen fordern!

Rede, Mädchen, nicht dem Starken Hohn!
Eine schönre Wangenröthe
Ist doch nur des Todes schönrer Thron;
Hinter dieser blumigten Tapete
Spannt den Bogen der Verderber schon –
Glaub’ es – glaub’ es, Laura, deinem Schwärmer:
Nur der Tod ist’s, dem dein schmachtend Auge winkt;
Jeder deiner Strahlenblicke trinkt
Deines Lebens karges Lämpchen ärmer;
Meine Pulse, prahlest du,
Hüpfen noch so jugendlich von dannen –
Ach! die Kreaturen des Tyrannen
Schlagen tückisch der Verwesung zu.

Auseinander bläst der Tod geschwind
Dieses Lächeln, wie der Wind
Regenbogenfarbigtes Geschäume.
Ewig fruchtlos suchst du seine Spur;
Aus dem Frühling der Natur,
Aus dem Leben, wie aus seinem Keime,
Wächst der ew’ge Würger nur.

Weh! Entblättert seh’ ich deine Rosen liegen,
Bleich erstorben deinen süßen Mund,
Deiner Wangen wallendes Rund
Werden raue Winterstürme pflügen,
Düstrer Jahre Nebelschein
Wird der Jugend Silberquelle trüben,
Dann wird Laura – Laura nicht mehr lieben,
Laura nicht mehr liebenswürdig seyn.

Mädchen – stark wie Eiche stehet noch dein Dichter;
Stumpf an meiner Jugend Felsenkraft
Niederfällt des Todtenspeeres Schaft;
Meine Blicke brennend wie die Lichter
Seines Himmels – feuriger mein Geist,
Denn die Lichter seines ew’gen Himmels,
Der im Meere eignen Weltgewimmels
Felsen türmt und niederreißt;
Kühn durchs Weltall steuern die Gedanken,
Fürchten nichts – als seine Schranken.

Glühst du, Laura? Schwillt die stolze Brust?
Lern’ es, Mädchen, dieser Trank der Lust,
Dieser Kelch, woraus mir Gottheit düftet –
Laura – ist vergiftet!
Unglückselig! unglückselig! die es wagen,
Götterfunken aus dem Staub zu schlagen.
Ach! die kühnste Harmonie
Wirft das Saitenspiel zu Trümmer,
Und der lohe Aetherstrahl Genie
Nährt sich nur vom Lebenslampenschimmer –
Wegbetrogen von des Lebens Thron,
Frohnt ihm jeder Wächter schon!
Ach! schon schwören sich, mißbraucht zu frechen Flammen,
Meine Geister wider mich zusammen!
Laß – ich fühl’s – laß, Laura, noch zween kurze
Lenze* fliegen – und dies Moderhaus
Wiegt sich schwankend über mir zum Sturze,
Und in eignem Strahle lösch’ ich aus. – 

Weinst du, Laura? – Träne, sey verneinet
Die des Alters Straf-Loos mir erweinet!
Weg! versiege, Thräne, Sünderin!
Laura will, daß meine Kraft entweiche,
Daß ich zitternd unter dieser Sonne schleiche,
Die des Jünglings Adlergang gesehn? –
Daß des Busens lichte Himmelsflamme
Mit erfrornem Herzen ich verdamme,
Daß die Augen meines Geists verblinden,
Daß ich fluche meinen schönsten Sünden?
Nein! versiege, Träne, Sünderin! –
Brich die Blume in der schönsten Schöne,
Lösch’, o Jüngling mit der Trauermiene,
Meine Fackel weinend aus,
Wie der Vorhang an der Trauerbühne
Niederrauschet bei der schönsten Szene,
Fliehn die Schatten – und noch schweigend horcht das Haus. –


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