> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von G.Heym: Die Irren (18)

2014-05-15

Gedichte von G.Heym: Die Irren (18)




Die Irren II

Der Tod zeigt seine weiße Leichenhaut
Vor ihrer Kerkerfenster Arsenal.
Das schwarze Dunkel schleicht in trübem Laut
Geborstener Flöten durch der Nächte Qual.

Und weiße Hände strecken sich und klingen
Aus langen Ärmeln in der Säle Tor.
Um ihre Häupter wehen schwarze Schwingen,
Rauchende Fackeln wie ein Trauerflor.

Bebändert stürzt ein Mar durch ihre Betten,
Der ihre Köpfe schlagend, sie erschreckt.
Wie gelbe Schlangen auf verrufnen Stätten,
So wiegt ihr fahles Haupt, von Nacht bedeckt.

Ein Schrei. Ein Paukenschall. Ein wildes Brüllen,
Des Echo dumpf in dunkler Nacht verlischt.
Gespenster sitzen um sie her und knüllen
Den Hals wie Stroh. Ihr weißer Atem zischt.

Ihr Haar wird bleich, und feucht vor kaltem Grauen.
Sie fühlen Hammerschlag in ihrer Stirn,
Und große Nägel spitz in Geierklauen,
Die langsam treiben tief in ihr Gehirn.



alle Gedichte von G.Heym                                                 nächstes Gedicht von G.Heym

alle Dichter und Gedichte

Keine Kommentare: