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2014-05-15

Gedichte von G.Heym: Die Nacht (21)






Die Nacht

I

Die niedre Mitternacht ist regengelb,
Der schwarze Strom wächst unter Wolken fort,
Und an den Ufern, schwankend und verwelkt,
Die sonderbaren Häuser gehen fort.

Die alten Gassen sind in Nacht gekrümmt,
Wo in den Toren rote Lampe schwimmt.
Und manchmal wird ein Mensch vorbeigefegt,
Den hinten groß sein schwarzer Schatten schlägt.

Die Füße tanzend wie von Silber leicht.
Der Sturm, der feige seine Locken streicht.
Und wirbelnd wirft er schräge Blicke um,
Und seine Flügel-Schultern zittern stumm.

II

In niedern Gassen stehen Kinder klein
Mit Zwiebelköpfen um ein Feuerlein.
Und Krüppel wohnen unter der Höfe Tor
Und reichen ihre Knochenfüße vor.

Und mancher Baum wird in der Nacht entlaubt,
Der Regen fällt auf manches Trunknen Haupt.
Ein kleines Licht am Fenster oben steckt,
Wo jemand sterbend seine Klauen streckt.

Die Wächter wandeln sanft und tuten hell.
Luft-Diebe springen über die Türen schnell.
Auf einmal fällt ein breiter Lampenschein
Vom Mond-Gehöfte in die Nacht hinein.


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