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2014-05-15

Gedichte von G.Heym: Die Tauben (25)



Die Tauben

In Büschen, die wie große Feuer brennen,
Im Mittagswinde der verlassenen Heiden,
Liegen sie lauschend mit den offnen Leiden,
Ob nicht der Sturm in ihre Ohren renne,

Der dort die Wälder jagt und dort die stummen
Felder macht brausen und die Vögel schreien;
Doch ihrer Ohren Tor ist zu und bleien
Und unten nur ein Fluten dumpf und Summen.

Und ihre Seelen wollen sich empören,
Es steigt in ihrem Blut wie große Meere,
Darüber weißen Gänsen gleich ins Leere
Die Schiffe jagen, die die Stürme hören.

Sie harren schon der lauten Himmelsflammen
Im Wolken-Lärm und Sturm der dunklen Szene.
Sie horchen auf den Ruf der Kapitäne.
Auf einmal ist es stumm und sinkt zusammen,

Wie Asche in sich sinkt, und wie ein Regen
Im Abend schräg, den ferne Wolken speien.
Sie fühlen nur der weißen Stille Schneien
Auf ihren Köpfen, die sich nicht bewegen.

So gleichend den verfallenden Altären,
Sitzen sie weit am Weg. Und es erweicht
Von Tränen ihr Gesicht, wenn traurig streicht
Der Nordwind aus der Stirn die weißen Haare.



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