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2014-05-15

Gedichte von G.Heym: Die Vögel (28)



Die Vögel

Wie trübe Morgen langsamer Tage
Über den Seen und Sümpfen voll Klage,
Über dem schillernden Schilf ruht die Nacht.
Regen beginnt; in den Bäumen erwacht

Ein Geschrei. Und huschen die Hunde
Rund um die Mauern mit heiserem Munde.
Aber die Turme steigen von Bergen, bleichen,
Und hocken stumm um verschrumpfte Teiche.

Eine Fackel brennt auf. Und die Vögel der Öden
Steigen herauf in die Wolkenböden,
Hoch von den kahlen Sitzen und Horsten,
Morsche Flügel und trostlos zerborsten.

Langsam mit ihren gewaltigen Händen
Fassend die Nacht an den dunkelnden Enden,
Drehend wie Schatten und böse Gedanken,
Die in brechenden Wolken schwanken.

Plötzlich stürmet vorbei vor dem Mond ein Geschwirre,
Und er schreit wie ein Kind vor der Federn Geklirre,

Schlagend die Flügel, nisten sie über ihm
Und krähen ihr Lied aus den Schnäbeln so grün.




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