> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von T. Fontane: Abschied (1)

2014-05-25

Gedichte von T. Fontane: Abschied (1)

Theodor Fontane-Gedichte



Abschied

Zögernd steh ich auf der Schwelle,
Biete stumm den Abschiedsgruß
Meiner kerkergleichen Zelle,
Die ich nun verlassen muß.

Ach, wohl hab ich freiheitsflehend
Oft mich weit hinausgesehnt,
Und die ehrnen Fesseln sehend,
Nur zur Qual verdammt gewähnt.

Hab in diesen öden Mauern
Einen Engel eingebüßt.
Dessen Trost der Seele Trauern,
Alle Schmerzen mir versüßt;

Hab umsonst in schweren Tagen
Heiß erfleht ein liebend Herz,
Meinen Kummer mitzutragen.
Und zu lindern meinen Schmerz.

Aber heute, wo die Kette,
Die mich fesselte, zerriss,
Scheid ich von der Leidensstätte
Traurig wie vom Paradies;

Und ich fühl's, wenn von der Erde
Einst mich Gottes Stimme ruft,
Das auch dann ich zögern werde.
Zu entfliehn der Kerkergruft.

alle Gedichte von Fontane                                               nächstes Gedichte von Fontane

Gedichtsammlungen

Keine Kommentare: