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2014-05-25

Gedichte von T. Fontane: Auf dem See (6)





Auf dem See

Ich treibe auf den Fluten,
Erfüllt von heitrer Ruh,
Und schau dem Spiel der Lüfte,
Dem Tanz der Wellen zu.

Die Sonne strahlt vergoldend
Rings auf der Fluten Blau,
Sie strahlet segenspendend
Auf die begrünte Au.

Ich drücke wonnetrunken
Das Bild an meine Brust; -
Doch plötzlich - ein Gedanke
Zerstört der Seele Lust.

Wie sind es nicht die Wellen,
Die einst mein Lieb begrüßt?
Wie sind es nicht die Lüfte,
Die zärtlich es geküsst?

Wie ist es nicht die Sonne,
Die meine Lust erblickt.
Wenn Vandas Sonnenstrahlen
Mein kaltes Herz erquickt?

Oh, sagt mir doch, ihr Wellen,
Habt ihr sie nicht umrauscht?
Ihr wißbegier'gen Lüfte,
Habt ihr sie nicht belauscht?

Oh, sag mir, liebe Sonne,
Sahst du nicht meine Braut?
Hat denn dein Flammenauge
Mein Liebchen nicht erschaut!

Da musste wohl sie weinen,
Denn trübe ward ihr Blick;
Sie gab nur Tränenströme
Als Antwort mir zurück.

Die Lüfte und die Wellen,
Die sangen dann ein Lied,
Wie Liebe und wie Treue
Aus ihrem Herzen schied. -

Ich treibe auf den Fluten
Und schau in sie hinab;
Gedenke der Geliebten
Und denke an das Grab.

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