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2014-05-26

Gedichte von T. Fontane: Das letzte Lied (13)




Der letzte Lied

Führ mich dort zu jener Eiche,
Wo ich oft mit ihr geruht.
Dort bestatte meine Leiche,
Freund, dort räche einst mein Blut.

Drücke jetzt auf meine Wunde
Fest ein Blatt vom Eichenbaum;
Träumen möcht ich eine Stunde
Noch den schönen Lebenstraum.

Eile, wenn das Blatt gerötet.
Zu dem Liebchen alsobald.
Sag ihr, daß mich der getötet.
Der sie meine Buhlin schalt.

Bring ihr - nicht viel tausend Grüße,
Nein, nur einen Abschiedsgruß,
Tröste sie, das meiner Küsse
Sie ein wenig harren muß.

Nenn ihr auch die letzte Bitte,
Die mein sterbend Herz bewegt.
Das dies Blatt sie in die Mitte
Aller meiner Lieder legt.

Hab ich doch damit besiegelt
Mit dem roten Herzensblut,
Was sich in den Liedern spiegelt
Und im Herzen mir geruht.

Nimm! - das Blatt ist nun beschrieben;
- Weh, die heiße Wunde brennt, -
Freund, ich fühl es, nicht mein Lieben,
Nur mein Leben geht zu End. -

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