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2014-05-26

Gedichte von T. Fontane: Das Wasserröslein (15)




Das Wasserröslein

Auf weiches Moos gebettet
Lag ich am Uferrand,
Wo schön und wunderprächtig
Ein Wasserröslein stand.

Es guckte mit dem Köpfchen
Neugierig aus der Flut,
Und nickte mir so freundlich,
Als spräch's: „Ich bin dir gut."

Der Abend sank hernieder.
Die Erde ging zur Ruh,
Und ich, im Schaun versunken.
Schloß auch die Augen zu.

Da regt sich's in den Lüften,
Da tönt es in dem See,
Und sieh - mein Wasserröslein
Ward eine Wasserfee.

Die neigt sich zu mir nieder
Und blickt mich zärtlich an.
Und preßt die schönen Glieder
Verlockend an mich an.

Der Augen heiße Gluten,
Erfüllt von Sehnsuchtsschmerz,
Verwirren mir die Sinne,
Durchzittern mir das Herz.

Der Locken goldne Fülle
Schlingt sie um meinen Leib,
Und spricht so süße Worte,
Das wunderschöne Weib.

Da zieht's mich in die Wogen,
Sie küßt und herzt und lacht.
Doch, kaum hinabgezogen.
Bin plötzlich ich erwacht.

Der Sonne erste Strahlen
Vergolden Tal und Höh;
Verschwunden ist die Nixe,
Die schöne Wasserfee.

Ich seh das Röslein wieder,
Benetzt vom Wellenschaum; -
„Wo bist du, schöne Nixe!
War alles nur ein Traum?!"

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