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2014-05-26

Gedichte von T. Fontane: Der alte Dessauer (16)




Der alte Dessauer

Ich will ein Lied euch singen!
Mein Held ist eigner Art:
Ein Zopf vor allen Dingen,
Dreimaster, Knebelbart,
Blitzblank der Rock vom Bürsten
Und jeder Knopf wie Gold, -
Ihr merkt, es gilt dem Fürsten,
Dem alten Leopold.

All Wissenschaft und Dichtung
Sein Lebtag er vermied,
Und sprach er je von „Richtung“,
Meint' er in Reih und Glied;
Statt Opern aller Arten
Hatt er nur einen Marsch,
Und selbst mit Schriftgelahrten
Verfuhr er etwas barsch.

Nicht mocht er Phrasen türmen
Von Fortschritt, glatt und schön,
Er wußte nur zu stürmen
Die Kesselsdorfer Höhn;
Er hielt nicht viel vom Zweifel,
Und wen'ger noch vom Spott,
Er war ein dummer Teufel
Und glaubte noch an Gott.

Ja, ja, er war im Leben
Beschränkt, wie man's so heißt.
Und soll ich Antwort geben,
Warum mein Lied ihn preist?
Nun denn, weil nie mit Worten
Er seine Feinde fraß.
Und weil ihm rechter Orten
So Herz wie Galle saß.

Wir haben viel von Nöten
Trotz allem guten Rat,
Und sollten schier erröten
Vor solchem Mann der Tat;
Verschnittnes Haar im Schopfe
Macht nicht allein den Mann, -
Ich halt es mit dem Zopfe,
Wenn solche Männer dran.

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