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2014-05-26

Gedichte von T. Fontane: Der Taugenichts (26)




Der Taugenichts

Bei Gott, ich war ein guter Junge,
Als mich der Bröder eingesetzt,
Obschon ich oft mit scharfer Zunge
Den lieben Lehrern zugesetzt.
Obschon sie männiglich zu leiden
Vom Hohn und Spott des kleinen Wichts,
Obschon ich hieß Herr Unbescheiden
Und schließlich gar ein - Taugenichts.

Doch jeder meiner Brüder nannte
Mich seinen Freund und Hirt und Hort,
Und hatte, als man mich verbannte,
Manch liebevolles Trosteswort.
Sie sprachen all: „Aus deinen Augen,
Aus jedem deiner Züge spricht's:
Du magst denn doch wohl etwas taugen.
Du fortgejagter Taugenichts."

Ich blieb mir treu; ich böser Junge
Hab auf der Lebensschule jetzt.
Nach altem Brauch mit scharfer Zunge,
Den lieben Lehrern zugesetzt.
Mir dienten ihre Narreteien
Zum Vorwurf manchen Spottgedichts,
Drum hör ich schon den Rektor schreien:
„Ins Karzer mit dem Taugenichts."

Oh, möchten dann mit milden Worten
Sich meine Leidensbrüder nahn.
Du deutsches Volk von allen Orten,
Für das ich tat, was ich getan;
Und sagen mir mit trüben Augen:
„Aus jedem deiner Lieder spricht's:
Du magst denn doch wohl etwas taugen.
Du eingesperrter Taugenichts."

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