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2014-05-25

Gedichte von T. Fontane: An Georg Herwegh (4)





An Georg Herwegh

Den Alpen, kühn gen Himmel dringend.
Und wieder um die Erde sich
Mit ihren Riesenarmen schlingend.
Den Alpen nur - vergleich ich dich.
Den Alpen nur, darin zu Hause
Ein Zwingli und ein Wilhelm Teil,
Daraus mit donnerndem Gebrause
Stürzt eines deutschen Stromes Quell.

Den Alpen gleich bist du gedrungen
In Gottes Himmel tief hinein,
Und willst doch, wie du selbst gesungen.
Auf Erden, unter Menschen sein.
In deinem Busen ist zu Hause
Der Durst nach Freiheit - der Rebell,
Es stürzt mit donnerndem Gebrause
Aus dir ein deutscher Liederquell.

Ich lag verschmachtend in der Wüste,
Daheim in meinem Vaterland,
Und kein Oasenquell begrüßte.
Erquickte mich im heißen Sand; 
Ach, über mir stand unbeweglich
Die Wüstensonne im Zenit,
Unsäglich war’s und unerträglich,
Was ich von ihren Gluten litt.

Schon fühlt ich meinen Blick umnachtet; -
Da plötzlich zwang es mich empor, -
Es schlug, wonach ich längst geschmachtet.
Wie Wellenrauschen an mein Ohr.
Und siehe, das gestillet werde
Der Durst, woran ich fast verschied,
Durchzog ein Strom die Wüstenerde,
Und dieser Strom - es war dein Lied.

Ich habe nicht genippt, getrunken.
Und seinen Wogenschlag belauscht,
Ich bin in seine Flut gesunken
Und habe drinnen mich berauscht.
Er ward zum Lethe mir; - begraben
Ist jede Furcht, die mich gequält.
Und Hoffnung und Vertrauen haben
Sich meiner Seele neu vermählt.

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