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2014-05-14

G.Heym- Gedichte: Auf einmal aber kommt ein großes Sterben (2)






Auf einmal aber kommt ein großes Sterben

I

Auf einmal aber kommt ein großes Sterben.
Die Wälder rauschen wie ein Feuermeer
Und geben alle ihre Blätter her,
Die in dem leeren Luftreich blind verderben.

Die Tiere schreien in dem kalten Neste,
Die Raben steigen in die Abendröte.
Und plötzlich dorret trocken das Geäste.

Die Schiffer aber fahren trüb im Ungewissen,
Auf grauem Strom die großen Kähne treiben
In schiefen regensmatten Finsternissen,

Durch leerer Brücken trüben Schall und Städte,
Die hohl wie Gräber auseinander fallen,
Und weite Öden, winterlich verwehte.

Kurz ist das Licht, das Stürme jetzt verdecken,
Und immer knarren laut die Wetterfahnen,
Die rostig in den niedern Wolken stecken.

Und viele Kranke müssen jetzt verenden,
Die furchtsam hüpfen in den leeren Zimmern,
Zerdrückt im Leeren von den hohen Wänden.

Das Weite sucht die letzte Vogel-Herde,
Und an dem Weg die kleinen Gottesbilder
Sind einsam in der winterlichen Erde.

Die Bettler aber, die die Lieder grölen,
Sitzen im Land herum mit langen Händen
Und weisen ihre roten Augenhöhlen.

II

Die Bienen fallen in den dünnen Röcken
Im Rauhreif tot aus den verblaßten Lüften,
Die nicht mehr kehren rückwärts zu den Stöcken.

Die Blumen hängen auf den braunen Stielen
 An einem Morgen plötzlich leer von Düften,
Die bald im Staub der rauhen Winde sielen.

Die langen Kähne, die das Jahr verschlafen,
Mit schlaffem Wimpel hängend in der Schwäche,
Sind eingebracht im winterlichen Hafen.

Die Menschen aber, die vergessen werden,
Hat Winter weit zerstreut in kahler Fläche
Und bläst sie flüchtig über dunkle Erden.

III

Noch einmal treten nun wir in die Sonne,
Aus goldnem Park und den verschwiegnen Treppen,
Wo Silberwind die hohen Wipfel reißet.

Und stehen an der Brunnen trocknen Lippen
Und sehen hängend in der lichten Stille
Die braunen Blätter mit den dünnen Rippen.



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