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2014-05-27

T.Fontane- Gedichte: Die Not (34)




Die Not

Freund, verzeih das Händefalten
Unsrer sturmbedrohten Fürsten,
Die auf Gott und Christum halten.
Um gefahrlos uns zu bürsten.
Frömmeln soll in Mode kommen.
Denn man weiß es ja: die Frommen
Sind wie weiches Wachs zu kneten;
Ja, die Not - die Not lehrt beten.

Freund, auch den Traktätleinschneidern,
Die viel frommen Unsinn schnattern,
Gnad auch diesen Hungerleidern,
Die ein Ämtchen nur ergattern.
Ach, sie wären anders worden,
Wenn das Ämtchen und - den Orden
Irgend anders noch erspähten; -
Ja, die Not - die Not lehrt beten.

Doch ich les in deinen Blicken:
„Mag die Not der Potentaten
Sich für Angstgebete schicken,
Unsre Not kann des entraten;
Unsre Not befiehlt zu handeln,
Statt im Himmel träg zu wandeln,
Heischt, dem Feind die Zähne weisen;
Und die Not - sie bricht auch Eisen!"

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