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2014-05-27

T.Fontane- Gedichte: Efeu und Alpenrose (41)




Epheu und Alpenrose

Unten an der Felsenmauer,
Über Steingeröll und Moos,
Schleicht der Epheu voller Trauer,
Hoffnungsgrün, doch hoffnungslos.

Auf des schroffen Berges Spitze,
Wo die Alpenrose blüht.
Dort hinauf zum Blumensitze
Liebend es den Epheu zieht.

Doch er schleicht an Bettlerkrücken,
Ist ein Kind der Dunkelheit,
Drum verrät er ihr in Blicken
Kaum sein Weh und Herzeleid.

Denn er ahnt nicht ihr Verlangen
Abwärts in die Felsenkluft,
Bis sie mit verschämten Wangen
Leis hinunter: „Epheu" ruft.

„Epheu, komm, gar süße Minne
Berg ich dir im Herzensschrein,
Klimm hinauf zur Felsenzinne,
Komm und laß uns glücklich sein.

Wird dein Arm mich erst umschlingen
Mit der Liebe Allgewalt,
Soll's den Winden nicht gelingen.
Mich zu küssen eisigkalt.

Und dem Felsen, meinem Vater,
Dessen Stirne mich gebar
(Um für immer uns zu trennen),
Wird die Macht der Liebe klar."

Epheu hört' es; wunderkräftig
Heilet jedes Wort sein Weh,
Und er rankt sich still geschäftig.
Fröhlich, selig in die Höh.

Stürzt der Fels ihm auch entgegen
Zürnend, donnernd sein Gestein,
Muß der Wind auch allerwegen
Erst im Kampf besieget sein;

Dennoch klimmt er mutig weiter.
Ihn umschwebt der Rose Bild,
Wie des Himmels Blau so heiter.
Wie ein Engel rein und mild.

Aber als er sie errungen.
War gebleicht ihr Wangenrot,
Und der Epheu hat umschlungen
Seine Alpenrose tot.

Hielt sie noch in seinen Armen,
Als er selbst schon eingeschneit.
Doch sie sollte nicht erwärmen
In der kalten Winterzeit.

Aber als des Frühlings Weben
Alle Schläfer aufgeschreckt.
Sind auch sie zu schönrem Leben
In der Liebe auferweckt.

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