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2014-05-28

T.Fontane- Gedichte: Gewitter (45)




Gewitter

Hoch auf dem Turm, vom Sonnenstrahl beschienen.
Die Hölle Dantes vor mir aufgeschlagen.
Las ich in den gewaltigen Terzinen
Mit Lust und Wonne, und mit Graun und Zagen.

Inmitten der gigantischen Gestalten,
Die mir des Dichters Riesengeist geschildert.
Erlag ich meiner Phantasie Gewalten,
Die siegestrunken immer mehr verwildert.

Da dunkelt es; steigt schon die Nacht hernieder -
Die Zauberin - der Welt mich zu entrücken?
Ich schau empor, da beben meine Glieder,
Und dem Entsetzen weichet mein Entzücken.

Die Geister alle, die verdammt gewesen.
Auf ewig in der Hölle nur zu leben,
Von denen trunknen Sinnes ich gelesen.
Ich sah sie über mir am Himmel schweben.

Er ist bedeckt schon von den schwarzen Seelen,
Die, wie Gigantenschatten, hoch sich türmen;
„Unsel'ge, flieht! es ist ein fruchtlos Quälen,
Ihr werdet nimmer Gottes Himmel stürmen."

Weh mir! sie stürzen jetzt sich auf die Erde,
Sie wollen nicht auf jeden Sieg verzichten.
Nein, daß ihr Gotteshaß gesättigt werde.
Gilt nun es, seine Erde zu vernichten.

So schwül die Luft, sie droht mich zu ersticken.
Und Flüche hör ich wie den Donner rollen.
Und - seh den Himmel keine Rettung schicken; -
„Gott, willst auch du, daß wir verderben sollen?"

Schon blitzt ihr Aug in langen Feuerhalmen,
Nein, ihre Zungen sind's, die niederflammen.
Nein, Arme sind's, die Erde zu zermalmen!
Wie lange noch, so stürzt der Turm zusammen!

Doch plötzlich, wie des Donners Fluch verhöhnend.
Schallt über mir, gleich einer Gottesstimme,
Die große Glocke; - und gewaltig tönend
Saust sie daher in nie gehörtem Grimme.

Die Geister fliehn! ich seh den Himmel wieder,
Den sie zu stürmen frevelnd sich ermessen;
Sie fliehn, doch stürzen Tränenströme nieder,
Die ihren Augen Schmerz und Wut entpressen.

Und als der Vollmond jetzt hervorgetreten.
Und leis der Glocke letzter Ton verklungen,
Da kniet ich nieder, um zu Gott zu beten.
Und habe betend dieses Lied gesungen.

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