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2014-05-27

T.Fontane- Gedichte: In Leidenschaft (35)




In Leidenschaft

I

Kühle, Schnee, mit deinen Flocken
Mir die fieberheiße Stirn;
Sturm, durchfege meine Locken,
Kühle, kühle mir das Hirn.

Doch als ob der Samum träfe
Mein erglühend Angesicht,
Pochen lauter nur die Schläfe,
Und der Schnee erquickt mich nicht.

Mädchen nein, eh deine Flammen
Nicht mit meines Herzens Glut
Schlagen himmelhoch zusammen,
Kühlt nicht Sturm, nicht Schnee mein Blut.

II

Braute neue Liebestränke
Mir die ganze Hexenzunft?
Sünd ist alles, was ich denke.
Und entthront ist die Vernunft.

Was ich habe und umschlinge,
Ist kein Wecker meiner Lust,
Und was nimmer ich erringe,
Möcht ich pressen an die Brust.

Weinend, und mich selbst verfluchend.
Bin ich in den Wald geeilt,
Ruhe, süße Ruhe suchend,
Wo der Friede Gottes weilt.

Und der Himmel lacht und funkelt.
Klar ist Luft und Quell und Fluß;
Doch die Seele mein umdunkelt
Stetes Trachten nach Genuß.

Und verschlossen bleibt die Wonne
Mir, und Schönheit, der Natur,
Trübe blick ich in die Sonne,
Und gewahr die - Flecken nur.

III

Soll ich tüchtig Wasser trinken
Und die hitz'gen Weine scheun?
Soll ich auf die Kniee sinken,
Weinen, beten und bereun?

Oder soll die Faust ich ballen
Und empörten Angesichts
Rufen: Oh, Natur - vor allen
Taugen unsre Bräuche nichts!

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