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2014-06-20

Fabeln d. Aufklärung T2- G.K.Pfeffel: Das Eingebinde (1)




Das Eingebinde

Frau Löwin kam im Zedernwald
Mit einem Knäblein Wohlgestalt
Ins erste Wochenbette.
Da war im ganzen Reich kein Tier,
Das nicht dem Prinzen oder ihr
Was eingebunden hätte.

Der Esel trat zuerst herbei
Und sang mit bardischem Geschrei
Ein Lied zu beider Lobe.
Sogar gedruckt verehrt er’s ihr.
„Gut“ , sprach sie, „das ist zart Papier,
Tragt’s in die Garderobe.“

Drauf goss der Tiger wohlgemut
Drei Löffel voll von seinem Blut
Dem Löwchen in den Rachen:
„Nun kannst du kalt auf Leichen stehn“ ,
Rief er, „und ohne wegzusehn
Der Unschuld Tränen lachen.“

Herr Fuchs strich seinen Schwanz mit Lust
Dem Kind auf Stirne, Mund und Brust
Und sprach: „Erlauchter Knabe,
Dir bringe ich den Macchiaveil
Gebunden in ein Lämmerfell,
Zur treuen Opfergabe.“

Gleich einem Stutzer balsamiert
Ließ nun der Geißbock hoch frisiert
Sich meckernd also hören:
„Nimm hin die Kunst, zum Zeitvertreib
Der Witwe Kind, des Armen Weib
Hochfürstlich zu entehren.“

„Das nötigste Geschenk“ , versetzt
Der Salamander, „kömmt zuletzt;
Hier bring ich Molchpomade:
Nur brav das Herrchen mit geschmiert,
Auf das ihm, wenn es einst krepiert,
Der Hölle Glut nicht schade.“




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