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2014-06-20

Fabeln d. Aufklärung T2- G.K.Pfeffel: Das Kamel (2)




Das Kamel

Nach seines Mentors heisrer Pfeife
Und einer Trommel hohlem Ton
Zog ein Kamel mit einem Schweife
Von Buben einst durch Lissabon.

Die Pforten und die Fenster sprangen,
Wohin das Tier den Fuß nur hob,
Und hundert Rezensenten sangen,
O Wunder! gleich entzückt sein Lob.

„Ei seht doch“ , rief der Hohepriester,
„Wie sittsam es die Kniee beugt!“
„Dabei“ , versetzte der Minister,
„Trägt es, so schwer man will, und schweigt.“

„Wie stolz hebt es die hohe Stirne
Und seinen Schwanenhals empor!“
Kräht eine hochgeborne Dirne
Und wirft die freche Brust hervor.

„Schweig, eitles Ding, und laß dir sagen“ ,
Brummt ihre karge Großmama,
„Daß man es oft zu ganzen Tagen
Wie ein Kartäuser fasten sah.“

„Ein Hauptstück habt ihr übersehen“ ,
Sprach itzt ein Buckliger zu ihr,
„Der Höcker ist, ihr müßt’s gestehen,
Das Schönste noch am ganzen Tier.“

So klingt der Menschen Lob. Sie preisen
Nur das, was ihnen wohlgefällt.
Am ersten wird, wer ihre Weisen,
Selbst ihre Fehler hat, ihr Held.




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