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2014-06-21

Fabeln d. Aufklärung T2- G.K.Pfeffel: Der Pfirich- u. d. Apfelbaum (12)




Der Pfirsichbaum und der Apfelbaum

Nach unserm neuen Stil erwachte kaum
Des Sproßmonds andere Dekade,
Als eines Pfirsichbaums Dryade
Zur Nachbarin, der einen Apfelbaum
Das Los zur Wohnung gab, mit hochgerümpfter Nase
Die stolzen Worte sprach: „He, faule Base!
In welcher traurigen Gestalt
Erscheinst du neben mir? Dem jungen Lenz zum Hohne
Stehst du noch nackend da, indes von meiner Krone,
Bis auf den letzten Zweig, ein roter Blumenwald
Mich überall umhüllt. Wirst du noch lange weilen,
Bis du mit Blüten prangst?“ „Ei nun, wir wollen sehn“ ,
Versetzt die Nachbarin, „was dich dein Eilen
Am Ende nützen wird. Wie oft ist es geschehn,
Das Bäume, welche stolz mit frühen Blüten prahlten,
Des Gärtners Hoffnung schlecht bezahlten!“
Sie sprach es noch, so fing der rauhe Boreas,
Des Lenzes Erbfeind, an mit wildem Grimm zu wüten;
Aus seinem Rachen fuhr der kalte Reif und fraß
In fünf Minuten alle Blüten.

„Mein kleiner Sohn verrät bereits Genie“ ,
Hör ich im Freudenrausch so manchen Vater sagen.
Freund, schreie nicht zu laut: Das Bäumchen blühet früh;
Allein wird es auch Früchte tragen?




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