> Gedichte und Zitate für alle: Fabeln d. Aufklärung T2- G.K.Pfeffel: Der König und der Narr (16)

2014-06-21

Fabeln d. Aufklärung T2- G.K.Pfeffel: Der König und der Narr (16)




Der König und sein Narr 

Ein König, Namens Woldemar,
Der von der Windsucht, die ihn plagte,
Oft ganze Nächte schlaflos war,
Verirrte sich indem er jagte.
Sein Narr und Freund, (es ist nicht rar
Erz-Ämter so vereint zu sehen)
Verließ ihn nicht in der Gefahr:
Er gab durch die verwachsnen Höhen
Ihm brüderlich die rechte Hand,
Und so erreichten sie den Rand
Von einem silberblauen Teiche,
An dem im Schatten einer Eiche
Ein sorgenfreier Schäfer schlief.
Der Fürst blieb stehn; die Missgunst nagte
An seiner Leber; knirschend rief
Er aus: nur ich bin der Geplagte
Im Reich! Mein Weib, selbst meinen Affen
Gäb ich, könnt ich nur eine Nacht
Mir dieses Bengels Ruh verschaffen;
Warum schlaf ich denn nicht? Das macht,
Du schläfst zu viel auf deinem Throne;
Versetzt der Favorit und lacht.
Der König lachte nicht. Zum Lohne
Für den beichtväterlichen Scherz
Stieß er ergrimmt dem armen Sklaven
Den blanken Jagdspieß durch das Herz –
Und konnte doch nicht besser schlafen.




alle Gedichte von Pfeffel                                                                 nächste Fabel von Pfeffel

alle Fabeln

Keine Kommentare: