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2014-06-29

Gedichte v. F.Rückert: Kinderlied (63)




Kinderlied von den grünen Sommervögeln

Es kamen grüne Vögelein
Geflogen her vom Himmel,
Und setzten sich im Sonnenschein
In fröhlichem Gewimmel
All an des Baumes Äste
Und saßen da so feste,
Als ob sie angewachsen sein.

Sie schaukelten in Lüften lau
Auf ihren schwanken Zweigen;
Sie aßen Licht und tranken Tau
Und wollten auch nicht schweigen,
Sie sangen leise, leise
Auf ihre stille Weise
Von Sonnenschein und Himmelblau.

Wenn Wetternacht auf Wolken saß,
So schwirrten sie erschrocken;
Sie wurden von dem Regen naß
Und wurden wieder trocken;
Die Tropfen rannen nieder
Vom grünenden Gefieder,
Und desto grüner wurde das.

Da kam am Tag der scharfe Strahl,
Ihr grünes Kleid zu sengen,
Und nächtlich kam der Frost einmal,
Mit Reif es zu besprengen.
Die armen Vöglein froren,
Ihr Frohsinn war verloren,
Ihr grünes Kleid war bunt und fahl.

Da trat ein starker Mann zum Baum
Vom obern bis zum untern Raum
Mit Schauer zu durchrütteln:
Die bunten Vöglein girrten
Und auseinander schwirrten;
Wohin sie flogen, weiß man kaum.


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