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2014-06-24

Gedichte von C. Morgenstern: Gebet (62)




Gebet

Dich ruf ich, Schmerz; mit aller deiner Macht
triff dieses Herz, das es gemartert werde
und, das ich bin, dies Häuflein arme Erde,
emporhält aus der allgemeinen Nacht.

Dich ruf ich, Menschenfreund der besten Art;
mißtraue nicht, das ich dich je verkennte;
du Schmerz, durch den uns wohl das Größte ward,
was Menschenwert von Gott und Tiere trennte.

Dich ruf ich; gib mir deinen bittern Krug;
und siehst du mich auch bang mich von ihm wenden;
da mir das Glück allein nicht Kraft genug,
so hilf denn du mein Tagwerk mir vollenden.



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