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2014-06-23

Gedichte von C.Morgenstern: Der Mord (25)




Der Mord

Berliner Schule

I.

Es liegt ein Mann in der Panke,
winkewanke .. winkewanke..

Wer hat ihn in dies Bett gestupft,
dahin doch sonst der Frosch nur hupft?

Es sieht ihn einer schlafen -
der hockt im Bremerhaven -

der hockt in einem leeren Faß,
im Schiffsraum der Felicitas!

Es liegt ein Mann in der Panke
winkewanke .. winkewanke..

II.

Das Meer raunt dumpf ohn Unterlaß
um einen Menschen in einem Faß.

Gekrümmt, an Leib und Seele wund,
verflucht er seinen Kerker rund.

Er hat nicht länger Vorrat mehr.
Von Ratten wimmelt’s um ihn her.

Er bricht nachts die Büfettür los
und schreibt darauf mit Kreide groß:

»Ich bin eine Ratte, sucht mich nicht,
sonst spring ich euch plötzlich ins Gesicht.«

Dann kriecht er unter eine Bank
und schlingt hinunter Speis und Trank.

Da fällt die Kerze auf ein Blatt:
er nimmt’s und liest: »Die ganze Stadt

ist hinter Albert Hanke her,
denn sein Verhältnis sagt, er wär -«

Das Weitre fehlt. Doch unser Mann
kriecht vor und steckt den Teppich an,

springt wild mit Feuerjoh auf Deck,
greift einen Gürtel, springt vom Heck.

Verwirrung, Rufe, Rauch, Signal...
ein Mensch schwimmt mitten im Kanal...

III.

»Wer sind Sie? .. Jesus! Mensch, bist du’s?«
»Ich komme von Holland und zu Fuß.«

»Wie siehst denn aus! Als wie dein Geist!«
»Ich hab halt viel gehungert, weißt!«

»Wo warst denn nur? Was gingst denn fort?«
»Ich hatte was zu tuen dort.«

»Und läßt mich hier, dein Kind im Leib-?«
»Drum komm ich ja auch wieder, Weib -

in Hetze wie ein Vagabund.
Ich mußte nach Berlin heim und -«

»Es klopft. Du zitterst ja, als wenn -«
»Da sind wir. Also doch. Nun denn -«



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