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2014-06-23

Gedichte von C.Morgenstern: Die Glocke (37)




Die Glocke

Werbokken in Werbokknen
war ganz aus Käs gemacht,
aus weichem und aus trocknem,
seit jener großen Schlacht -

womit das Volk der Maden
den heiligen Krieg beendet
und sich durch Gottes Gnade
dem Käse zugewendet.

Nur eine einzige Glocke
verblieb dabei dem Haufen:
Vermöge ihres Käses
begann sie wegzulaufen.

Es war die Käseglocke,
die Glocke (Jekesla.
Nicht lang, so hing sie klingend
dem Chor der Sterne nah.

Denn zärtlich ward derselben
ein Dom getürmt empor
aus weißem und aus gelbem
und aus grünem Käsmarmor.

Der Klöppel ward gedrechselt
aus einem Ziegenkäs,
den man im Grab gefunden
von einem alten Knäs.

Das Läutseil ward geflochten
aus seidnem Parmesan,
und tausend Käseglöckner
zogen tagtäglich daran.

Doch eines Tages sprang sie
aus ihrem Stuhl und - zer!
Seitdem gibt’s in Werbokknen
wohl keine Glocke mehr.

Seit jenem Tage ward es
ein Land ganz ohne Ruhm
und sank samt seinem Käse
zurück ins Heidentum.



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