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2014-06-04

Gedichte von G.Keller: Herbst I (14)



VI.

Herbst

Im Herbst, wenn sich der Wald entlaubt,
Nachdenklich wird und schweigend,
Mit Reif bestreut sein dunkles Haupt,
Fromm sich dem Sturme neigend:

Da geht das Dichterjahr zu End,
Da wird mir ernst zu Mute;
Im Herbst nehm ich das Sakrament
In jungem Traubenblute.

Da bin ich stets beim Abendrot
Allein im Feld zu finden,
Da denk ich fleißig an den Tod
Und auch an meine Sünden!

Ich richte mir den Beichtstuhl ein
Auf ödem Heideplatze,
Der Mond, er muß mein Pfaffe sein
Mit seiner Silberglatze.

Und wenn er grämlich zögern will,
Der Last mich zu entheben,
Dann ruf ich: »Alter, schweige still!
Es ist mir schon vergeben!

Ich habe heimlich mit dem Tod
Ein Wörtlein schon gesprochen!
Dann wird mein Pfaff vor Ärger rot
Und hat sich bald verkrochen.



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